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Vom Denkmal zum Mahnmal: der Kölner Dom
Das Zweite Deutsche Fernsehen strahlt in der Reihe Terra X in den nächsten Wochen die dreiteilige Dokumentarreihe „Superbauten“ aus, die sich mit dem Kölner Dom, dem Schloss Neuschwanstein und der Dresdner Frauenkirche befasst.
Den Anstoß zur Produktion dieses Dreiteilers gab das Ergebnis einer Auswertung von Zuschauerzuschriften und die Tatsache, dass alle drei Bauwerke weltberühmt und Touristenattraktionen erster Ordnung sind. Das große Interesse, das die drei Bauwerke im In- und Ausland finden, dürfte auch eine hohe Zuschauerzahl erwarten lassen.
Den Beitrag über den Kölner Dom stellte das Zweite Deutsche Fernsehen in Anwesenheit des Autors Christian Twente und des Schauspielers Sebastian Koch in Köln der Presse vor. Koch führt durch die Sendung. Mit zahlreichen anschaulichen Animationen werden nicht nur die Sakralbauten aus der Vorzeit des Kölner Doms bildlich dargestellt, so der unmittelbare Vorgänger des heutigen Doms, der Hildebold Dom, sondern auch die entsprechenden Baufortschritte mit Gebäudeschnitten. Erst dadurch wird für den Zuschauer die außerordentliche Leistung des Dombaumeisters Gerhard erkennbar.
Unter der Herrschaft des damaligen Erzbischofs und Kurfürsten von Köln Konrad I. von Hochstaden wurde 1248 nach den Plänen des Baumeisters Gerhard von Rile mit dem Bau des Kölner Doms begonnen. Die Pläne, einen neuen Dom zu bauen, entstanden bereits Anfang des 13. Jahrhunderts, ausgelöst durch den enormen Pilgeransturm, den die Verehrung der Reliquien der Heiligen Drei Könige, die Rainald von Dassel 1164 nach Köln gebracht hatte bewirkte.
Viele Bilder wie auch Einzelheiten zur Geschichte des Kölner Doms, die Koch erzählt, dürften weithin unbekannt sein. Twente befasst sich mit seiner Darstellung überwiegend mit bautechnischen Fragen und natürlich ausführlich mit der Geschichte der Wiederaufnahme des Baus nach dem mehrere Jahrhunderte andauernden Stillstand der Bautätigkeit. Gewürdigt werden die unermüdlichen Nachforschungen durch Sulpiz Boisserée, einem Kunstsammler und Kunsthistoriker und Mitinitiator des Kölner Dombau-Vereins, dem es gelang, die verschollenen Teile der Bauzeichnungen des 13. Jahrhunderts aufzufinden.
Die Kenntnis über den Stillstand der Bautätigkeit am Kölner Dom ab dem Anfang des 16. Jahrhunderts ist weitgehend bekannt. Anfang des 19. Jahrhunderts bemühten sich Josef Görres, Publizist, Gründer des Rheinischen Merkur und Mitinitiator des Kölner Dombau-Vereins und Sulpiz Boisserée um die Wiederaufnahme der Bautätigkeit. Einen entscheidenden Anschub erhielten diese Bemühungen durch den Fund alter Baupläne in Darmstadt und Paris.
So interessant viele der mitgeteilten technischen und bautechnischen Einzelheiten auch sein mögen, wird diese Beschränkung dem Rang dieses Kulturdenkmals nicht gerecht. Es ist wenig befriedigend, zu berichten, wo sich Meister Gerhard die Inspiration für seine Pläne geholt hat. Dieses epochale Bauwerk wurde nicht in der offenen Savanne errichtet, sondern in der damals größten Stadt des Reiches, über die im 13. Jahrhundert Erzbischof und Kurfürst Konrad von Hochstaden, mit außerordentlicher Macht ausgestattet sowohl geistlicher wie auch weltlicher Herrscher war. Köln war Residenzstadt. Mit dem Bau dieses prächtigen Domes sollte die große Bedeutung und Macht des Erzstiftes demonstriert werden. Deshalb ist die Entwicklung dieser Macht in der folgenden Zeit für das Engagement, mit der die Bautätigkeit am Dom betrieben wurde, von einiger Bedeutung. Wie das zu verstehen ist, zeigt der Bayerische Rundfunk beinahe wöchentlich mit seiner Sendung Kunst und Krempel. Diese Sendung bildet ein besonders eindrucksvolles Beispiel, wie die öffentliche Zurschaustellung von Gegenständen der Kunst mit Erläuterungen zur Kultur- und Zeitgeschichte auf interessante Weise verbunden werden kann.
Bekannt ist, dass im 13. Jahrhundert die zu großem Wohlstand gelangten Patrizier wie auch die Zünfte gegen die Macht des Bischofs aufbegehrten. Mit dem Kleinen Schied (1252) und dem Großen Schied (1258) machte Konrad von Hochstaden den Patriziern zwar gewisse Zugeständnisse, stellte sie dann aber wiederum mit ränkevollen Winkelzügen in Frage. Mit dem großen Schied wurden zum ersten Mal die in Köln Grundzüge der städtischen Verfassung aufgezeichnet. In mehreren blutigen Auseinandersetzungen zwischen Patriziern und Erzbischof, so 1262 in der Schlacht am Bayenturm mit dem Schlachtruf Kölle alaaf, 1268 in der Schlacht an der Ullrepforte und schließlich 1288 in der Schlacht der Panzerreiter bei Worringen wurde der damalige Erzbischof Siegfried von Westerburg aus der Stadt vertrieben und verlor endgültig die weltliche Macht über die Stadt. Fortan wurde die Stadt von den Patriziern regiert. Hiergegen begehrten die Zünfte auf, die sich 1396 – zusammen geschlossen in den Gaffeln – mit dem sogenannten Verbundbrief eine Verfassung gaben, die fast vierhundert Jahre bis zum Einmarsch der Franzosen im Jahre 1794 galt.
Nicht nur die weltliche Macht stand zur Disposition, sondern mit dem beginnenden 16. Jahrhundert stellte auch noch die Reformation die geistliche Autorität der katholischen Kirche in Frage mit der Nebenfolge, dass die Einkünfte aus dem Ablasshandel, die zum Teil zur Finanzierung des Domes dienten, erheblich zurück gingen.
Diese Zeiterscheinungen dürften einige der Gründe erklären, weshalb die Fertigstellung des Kölner Domes nicht zu den vordringlichsten Zielen Kölner Bürger zählte. Einige Hinweise auf diese Zeitumstände hätten der Dokumentation gut getan.
Der Kölner Dom kann heute jedoch nicht nur als rein kulturgeschichtliches Denkmal verstanden werden, sondern auch als besonders eindrucksvolles Mahnmal. Die Dombaumeister und Handwerker früherer Jahrhunderte haben mit diesem großartigen Bauwerk bewiesen, dass es möglich ist, auf Kölner Boden ein Bauvorhaben dieser Größe zu bewältigen, dass selbst Erdbeben und Kriegen standhält. Die Bürger jener Zeit haben ihre Arbeit beeindruckend weitsichtig, verantwortungsvoll und gediegen nach den Regeln der Baukunst ausgeführt und im 19. Jahrhundert zu Ende geführt. Die Kölner Bürger jener Zeiten haben neben der Bewältigung dieser großartiger Baumaßnahme mit ihrem Verbundbrief weiterhin bewiesen, dass sie auch zur Gestaltung einer gesellschaftlichen Ordnung fähig waren, die über Jahrhunderte Bestand und Geltung besaß.
Die Ausstrahlung der Dokumentation über den Kölner Dom am 14. März 2010 um 19:30 Uhr im Zweiten Deutschen Fernsehen führt aus diesen Gründen wohl auch zu vertiefender Nachdenklichkeit über die heutige Zeit.
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